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    Professur für Museologie

    „Das war ne heftige Ausstellung!“

    Über die Publikumsbefragungen zur Dauerstellung am Museum am Dom.

    Im November 2017 haben die Museumswissenschaftlerinnen und Museumswissenschaftler der Universität Würzburg Marina Breitschaft, Anna-Sophie Karl, Lisa-Maria Rösch, Judith Schief, Sebastian Schmitt und Simon Schütz teilnehmende Beobachtungen in der Dauerausstellung des Museums am Dom durchgeführt. Sie begleiteten Passantinnen und Passanten in ihrem Ausstellungsrundgang und ermittelten Meinungen, Wünsche und Bedürfnisse. Diese können als Grundlage für zukünftige Verbesserungen dienen.

    An einem kalten windigen Morgen stehen wir auf dem Domvorplatz. Ein Wetter bei dem man sich eigentlich in die warme Wohnung zurückwünscht. Doch wir sind guter Dinge, denn: es ist das perfekte Museumswetter. Die guten Voraussetzungen nutzend wecken wir bei unterschiedlichen Menschen das Interesse, die Ausstellung zu besuchen und mit uns über ihre Empfindungen während des Besuches zu sprechen.

    Die Methode nach der wir arbeiten, wurde ursprünglich zur Gestaltung von Waren und Dienstleistungen entwickelt. Da die Gebrauchsfreundlichkeit maßgeblich die Nutzung mitbestimmt, werden mittlerweile unterschiedliche Techniken angewendet, um eben diese zu ermitteln und damit Produkte zu verbessern oder neu zu entwickeln. Eine dieser Methoden nennt sich Design Thinking und wird seit einigen Jahren von der Würzburger Museologie auf ihre Anwendbarkeit in der Ausstellungsgestaltung überprüft.

    Zu den Teilnehmerinnen an diesem Tag gehören auch zwei ältere Damen. Sie sind Teil der Gruppe von Probandinnen und Probanden, die von sich aus die Ausstellung besuchen wollen. Mit Begeisterung begeben die Damen sich in die Ausstellung und werden von den Blickachsen zwischen Alt und Neu durch die Ausstellung gezogen. Sich gegenseitig und uns ihre Assoziationen mitteilend gehen sie von Bild zu Bild. Faszination, Belustigung und Kritik wechseln sich in ihren Äußerungen ab. Besonders die Darstellungen des Leidens bewegt die Kunstliebhaberinnen. Auf die abschließende Frage nach dem Ausstellungseindruck, antwortet eine der Damen: „Das war ne heftige Ausstellung!“.

    Eine der Stärken unserer Herangehensweise ist es, die subjektiven Empfindungen und deren Begründungen aufzeichnen zu können. Hierzu wurden Techniken aus der qualitativen Sozialforschung verwendet. Man beobachtet die zu untersuchenden Gruppen in gewissen Situationen und befragt sie nach den Motiven ihrer Handlungen. Aber anders als in vielen soziologischen Studien hält man sich bei der Design Thinking Methode nicht der Objektivität wegen zurück, sondern erlebt den Besuch aktiv mit. So lassen sich besser Emotionen nachvollziehen und Handlungsweisen direkt erfragen. Um der Gefahr der Beeinflussung nicht zu erliegen, werden zum einen unterschiedliche Menschen befragt. Zum anderen muss man sich selbst immer wieder bewusstmachen, dass die Expertise zur Deutung der Emotionen beim Publikum liegt.

    Wie schwierig dies in der Praxis durchzuführen ist, wurde uns bei vielen Befragungen deutlich. Problematisch war dabei nicht so sehr die Beeinflussung der Meinung der Probanden und Probandinnen von unserer Seite, sondern viel mehr deren Wunsch von uns Erklärungen zu erhalten. Häufig gestand man sich selbst nicht die Autorität zu, über die Aussage der Werke eigene Überlegungen anzustellen. Besonders fiel uns dies bei unerfahrenen Besucherinnen und Besuchern auf. Der Vergleich mit den selbstbewussteren Personengruppen zeigte uns einer der möglichen Gründe auf. Die meist älteren Personen wendeten Herangehensweisen an das Bild an, mit dem sie diesem eine persönliche Bedeutung zumessen konnten. Durch Vergleiche mit anderen Werken im Raum und dem freien Assoziieren – bei dem das Gesehene mit persönlichem Wissen verbunden wird - hat diese Gruppe den Werken einen eigenen Sinn gegeben.

    So lautet eine der Anregungen für eine zukünftige Verbesserung, Hilfsmittel für diejenigen bereit zu stellen, die noch nicht die Fähigkeiten besitzen sich eine Kunstaustellung selbst zu erschließen. Solche und viele weitere Anregungen erhielten wir durch die Auswertung der Ergebnisse mit der Methode des Affinitätsdiagramms. Die grafische Darstellung aller Aussagen ist eines der Kernelemente des Design Thinking. Es ermöglicht schnell Problemfelder schnell zu ermitteln und durch die Darstellungsform kreative Lösungen zu entwickeln.

    Das Diagramm zeigt aber auch die Potentiale eines Produktes auf. Im Falle der Dauerausstellung des Museums am Dom ist es das Konzept der Konfrontation von neuer und alter Kunst. Diese Herangehensweise begeisterte die Menschen und regte zum Nachdenken über die Zeitlosigkeit mancher elementaren menschlichen Fragen an.

    (Simon Schütz MA)

    Quelle: Hinblick. Aus den Museen der Diözese Würzburg 2018, Nr. 45, S. 7.

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    Kontakt

    Professur für Museologie am Institut für deutsche Philologie
    Oswald-Külpe-Weg 86
    Campus Hubland Nord
    97074 Würzburg

    Tel.: +49 931 31-86703
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