Promotionsstudium und Dissertationsprojekte

Für besonders qualifizierte Studierende mit sehr gutem oder gutem MA-Abschluss in einem museologischen bzw. museumsrelevanten Studiengang besteht die Möglichkeit zu einer Promotion durch die Philosophische Fakultät der JMU (zur Promotionsordnung etc. vgl. hier [link auf http://www.phil.uni-wuerzburg.de/fakultaetsverwaltung/prodekanat/promotionsverfahren_nach_neuer_promotionsordnung/ ]) im Promotionsstudiengang „Museumswissenschaft/Museum Studies“ zum „Dr. phil.“. Aktuell werden folgende Themen bearbeitet:

 

Das historische Museum der Zukunft: Innovative Perspektiven für historische Museen in Deutschland (Arbeitstitel)

 

Doktorandin: Rahel Clormann MA

 

Mentorat: Prof. Dr. Rosmarie Beier-de Haan (DHM, Berlin), PD Dr. Guido Fackler (Museologie, JMU, Erstbetreuer), Prof. Dr. Anuschka Tischer (Neuere Geschichte, JMU)

Phänomene wie ‚Globalisierung‘, ‚Digitalisierung‘, ‚wachsende Mobilität‘ und ‚Migration‘ verändern unsere Gesellschaft nachhaltig. Doch vor allem in kleineren und mittleren Geschichtsmuseen werden diese Entwicklungen beim ‚Exponieren und Deponieren‘ (Gottfried Korff), kaum reflektiert, so dass immer weniger Bevölkerungsschichten in den Ausstellungen dieser Häuser repräsentiert werden. Erschwerend kommt hinzu, dass solche Museen traditionell die Lebenswelt der einheimischen Oberschicht thematisieren, während Alltag und Kultur anderer sozialer Gruppen unberücksichtigt blieben, fungierten diese Häuser doch nach dem Vorbild der im 19. Jh. aufkommenden National- und Landesmuseen als wirkungsmächtige ‚Identitätsfabriken‘ (Gottfried Korff/Martin Roth) im Kleinen. In den letzten Jahrzehnten führten fehlendes Personal, Budget-Kürzungen und überkommene organisatorische Strukturen außerdem dazu, dass diese Museen an einem Relevanz- und Besucherschwund leiden. Andererseits existieren sowohl im In- als auch Ausland innovative Konzepte, um diesem Abwärtstrend entgegenzuwirken. Doch welche neuen museologischen Ansätze und Perspektiven sind in den Praxisfeldern Sammeln, Ausstellen, Vermitteln und Management geeignet, den hiesigen Museen neue Wege zu eröffnen, um die gesellschaftlichen Veränderungen in die Museumsarbeit einzubeziehen und sie wieder zu relevanten Orten für die Bevölkerung werden zu lassen? In diesem Sinne wird die Dissertation den Status Quo, neue Perspektiven und deren praxisorientierte Umsetzung diskutieren bzw. konzipieren.

 

Antike Keramik aus Zypern
Sammlungsgeschichte und Ausstellungskonzeption

 

Doktorandin: Anna-Sophie Karl MA

 

Mentorat: PD Dr. Guido Fackler (Museologie, JMU, Erstbetreuer), Prof. Dr. Rupert Gebhard (Archäologische Staatssammlung München, LMU München), Prof. Dr. Matthias Steinhart (Klassische Archäologie, JMU)

Thalassa-Museum in Agia Napa, Zypern

 

Jeder kennt dieses Bild: Eine Vitrine, gefüllt mit Keramik, ein Gefäß neben dem anderen, ein Objektschild gibt die wichtigsten Fakten wieder. Dieses Präsentationsformat ist stets objektzentriert, Formen, Motive und die Einbettung in eine chronologische Entwicklungsreihe stehen im Fokus. Aber: Auf den Kontext wird nur selten eingegangen, obwohl sich über diesen spannende und multivokale Objektzugänge generieren lassen. Vor diesem Hintergrund wird in diesem Promotionsvorhaben diskutiert, wie Kontexte durch eine reflektierte Sammlungsforschung erschlossen und so neue Inhalte ausgestellt werden können. Ausgehend von drei Beispiel-Sammlungen zyprischer Keramik wird der museologische Umgang mit historischen Altertumssammlungen betrachtet. Fehlstellen in den Objektangaben werden durch Provenienzforschung ausgeglichen und darauf basierend Überlegungen angestellt, wie weitere Wissenslücken geschlossen bzw. diese museologisch transparent gemacht werden können. Im Anschluss daran werden mögliche neue Präsentationsformen diskutiert und Ausstellungsszenarien für die Fallbeispiele durchgespielt. Aufgrund der Konkurrenz zu anderen Freizeitinstitutionen liegt eine der Stärken des Museums nämlich darin, das Bewusstsein des Publikums für eine seriöse Wissenspräsentation zu schärfen. Gleichzeitig gilt es, den Bedürfnissen des Besuchers gerecht zu werden, ohne Fiktion statt Fakten zu präsentieren. Doch wie kann eine Ausstellung – vorwiegend aus Keramik bestehend – Interessierten einen wissenschaftlich abgesicherten, expositorisch korrekten und für viele Zielgruppen spannenden Zugang zum Thema Archäologie bzw. in diesem Fall Zypern eröffnen? Dies herauszuarbeiten ist Ziel der Dissertation.

 

Exponatkompetenz(en) in historischen Museen (Arbeitstitel)

 

Doktorand: Bastian Schlang StEx

 

Mentorat: PD Dr. Guido Fackler (Museologie, JMU, Erstbetreuer), Prof. Dr. Annette Noschka-Roos (Deutsches Museum, München), Prof. Dr. Dieter Wrobel (Didaktik der deutschen Sprache und Literatur, JMU)

Ziel des Dissertationsprojektes ist es, Aneignungs- und Erschließungsstrategien von Exponaten durch die BesucherInnen einer Ausstellung zu erforschen. Im Sinne einer besucherorientierten Gestaltung von Museen erhält die Art und Weise der Rezeption einzelner Ausstellungselemente für zukünftige Planungen ein besonderes Gewicht. Die systematische Erfassung des Rezeptionsverhaltens in didaktisch unterschiedlich arrangierten Ausstellungseinheiten soll dabei helfen, die Kompetenzentwicklung bei MuseumsbesucherInnen verstärkt in den Blick zu nehmen. Somit werden unabhängig vom Quellenfach die domänenspezifischen Besonderheiten der RezipientInnen-Exponat-Interaktion aus einer museumswissenschaftlichen Perspektive erfasst.