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    Professur für Museologie

    Mehrtagesexkursion Norditalien

    Im Sommersemester 2019 erkundeten wir bei der Mehrtagesexkursion die Museumslandschaft der Großstädte Norditaliens. Die Metropolen Mailand und Turin sowie die bikulturell-geprägte Landeshauptstadt Südtirols, Bozen, bildeten den Schwerpunkt der Reise. Mailand, die zweitgrößte Stadt Italiens, ist eine heterogene Metropole, wo alt und neu sich miteinander verbinden, mit dem Ergebnis eines einzigartigen Stadtbilds. Turin, viertgrößte Stadt Italiens und erste Hauptstadt des vereinten Königreichs Italien, kann mit der lombardischen Hauptstadt mithalten. Die Exkursion fand vom 4. bis 1. August 2019 mit 30 Studierenden unter der Leitung von Federico Bossone, Guido Fackler, Stefanie Menke und Bastian Schlang statt. Zur Vorbereitung diente eine eintägige Blockveranstaltung am 26. Juli 2019.

    Grüße aus Mailand

    Nach einer entspannten Busfahrt ist die Exkursionsgruppe am Sonntag in Mailand gelandet und hat am Montag die Innenstadt erkundet. Neben dem Dom beeindruckte das 2013 von Architekt Canali neu gestaltete Domschatzmuseum durch das fantastische Zusammenspiel von Objektarrangement, Raum und 'lebendiger' Beleuchtung, auch wenn kaum etwas erklärt wird und das Museum auf der Textebene nur Spezialisten anspricht. Das gegenüberliegende Museo del Novecento (Museum des XX. Jh.) wirkt in vielen Bereichen dagegen eher konventionell mit verwirrender Wegeführung: Hier scheint man eine ansprechende Präsentation nur in Sonderausstellungen und in den neuen Gebäudeteilen umzusetzen.

    Neues von der Norditalien-Exkursion

    In Mailand gibt es vieles zu bestaunen: Ein ehrwürdiges Kunstmuseum wie die Pinacoteca di Brera di Milano, das - ganz besucherorientiert unter Leitung des charismatischen Direktors Dr. James M. Bradburne (s. Foto) - auf unterschiedliche Objektenarrationen setzt, die Besucher*innen zum Malen animiert, Tast- und Riechstationen hat, Schaudepots und eine Restaurierungswerkstatt in die Sammlung integriert; Medieninstalllation zum Leonardo-Jahr im Castello Sforzesco sowie Leonardos Abendmahl, das durch die Zeitfenster-Regelung und einen klugen Audioguide die notwendige Muße vor dem weltberühmten Gemälde generiert. Inzwischen gings weiter noch Turin.

    Turin: tolle Stadt und spannende Museen

    Zwei Tage verbrachten wir auf unserer Exkursion in Turin, die uns durch ihre Architektur und den unaufgeregten Lebensstil begeistert hat. Hier gibt es das ältestegyptische Museum der Welt (gegr. 1822) mit seiner beindruckenden Sammlung und offener Restaurierungswerkstatt, das UNESCO-Welterbe Palazzo Madama mit traditionellen Präsentationen, aber auch modernen Sonderausstellungen sowie das 2013 eröffnete, Museum des Sparens (Museo del Risparmio), das auf Design und digitale Medien setzt, um die komplizierte Finanzwelt jungen Menschen im Sinne eines Science Lab nahezubringen.

    Turin II: Vom Grabtuch zum Kinomuseum

    Unser zweiter Tag in Turin begann mit dem Museo della Sindone (Museum des Turiner Grabtuchs), einem privat geführten Haus unter der Kirche der Grabtuchbruderschaft, das der Geschichte und Echtheit des "Holy Shroud" gewidmet ist, das im Turiner Dom verwahrt wird. 

    Ähnlich identitätsstiftend, freilich im Hinblick auf die italienische Einigung, ist das Museo nazionale del risorgimento: Es thematisiert im Stile eines historischen Museums mit vielen Dokumenten, Uniformen und Bildern die italienische Geschichte zwischen 1815 und 1870 und beinhaltet den früheren Parlamentssaal (seit 1898 Nationaldenkmal). 

    Umso entspannter geht es im Museo nazionale del cinema zu, das im ikonischen Gebäude "Mole Antonelliana" untergebracht ist. Hier kann man in zentrale Filme der Kinogeschichte Italiens in faszinierenden Kulissen eintauchen, in Liegesesseln die Raumatmosphäre geniessen, die Stationen bei der Produktion eines Filmes nachvollziehen oder in viele weitere Themen eintauchen - unbedingt empfehlenswert.

    Exkursionsabschluss in Bozen

    Die letzten beiden Tage unserer Norditalienexkursion verbrachten wir in Bozen. Nach staureicher Anfahrt auf der Brennerautobahn konnten wir endlich das Messner Mountain Museum (MMM) auf Schloss Sigmundskron besichtigen: wunderbare Landschaft, tolles Design, spannend in die Landschaft und im Gemäuer arrangierte Objekte, aber sehr assoziativ präsentierte Inhalte in einem Haus, das natürlich von der Person Reinhold Messners dominiert wird.

    Ganz anders war es im Südtiroler Archäologiemuseum, in dem der "Mann aus dem Eis", "Ötzi", sehr anschaulich und sehr gut didaktisch aufbereitet in allen Facetten seines rekontruierbaren Daseins ausgestellt wird. Ob das Vorzeigen der Mumie allerdings pietätvoll ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Mit einer sehenswerten Sonderausstellung über die Anfänge der Archäologie in Südtirol wird das Museum überdies seinem Namen gerecht, auch wenn "Ötzi" absolut im Mittelpunkt steht. 

    Den Abschluss bildete das Naturmuseum Südtirols. Die Dauerausstellung ist zwar schon etwas in die Jahre gekommen, zeigt aber dennoch, das kluge Didaktik und analoge Mitmachstationen durchaus zeitlos sind und bis heute sehr gut funktionieren. Modern hingegen die Ausstellung zum Jubiläum der Mondlandung im Erdgeschoss. 

    Anschließend gings mit der Bahn und einigen "typischen" Umsteigewirren zurück nach Würzburg, wo wir uns nach einer anstrengenden, aber abwechlsungreichen und rundum gelungenen Mehrtagesexkursion an den kälteren Temperaturen erfreuen.